Dienstag, 5. Mai 2015

Tagträume

Tagträume kennt jeder. Wir können sie bewusst steuern und eine Situation nach unseren Wünschen gestalten. Oder wir erlauben ihnen bzw. unserem Gehirn, sich von selbst zu entwickeln. Letzteres kennen die meisten als Phase kurz vor dem Einschlafen.
Man kann aber auch unter Anleitung absichtlich Körper und Geist entspannen und sich dann der Welt der inneren Bilder öffnen; von außen wird nur ein grobes Motivthema vorgegeben. Es kann verblüffend und überraschend sein, was der uns unbewusste Teil des Gehirns dann hervorzaubert!
Ich möchte heute Zeichnungen zeigen, die ich nach solchen Tagträumen angefertigt habe. Dabei stand nicht die künstlerische Qualität, sondern der Inhalt des Tagtraums im Vordergrund.

Tagtraum-Bild Wiese
Wiese
Beim Motiv "Wiese" entwickelte sich im Laufe des Tagtraums dieser Ort. Statt auf einer "normalen" Bergwiese befand ich mich auf einer grünen Skipiste im Sommer. Der Bügellift war natürlich nicht in Betrieb und wirkte irgendwie komisch unnütz. Der Wald links und rechts verstellte die seitliche Sicht, aber hangabwärts öffnete sich mir der Blick auf eine weite, flache Landschaft mit wenigen kleinen Dörfern. Diese Weite von oben, das war so beeindruckend und schön, dass sich dieses Bild ganz tief einprägte. Als ich später zu den Aquarellholzstiften griff, hatte ich die Zeichnung bereits perfekt im Kopf - ich musste sie nur noch zu Papier bringen! Wow, sowas habe ich nur dieses eine Mal erlebt. Ich hoffe sehr, dass der Eindruck dieser unendlich scheinende Ebene in der Zeichnung wenigstens ein bisschen rüberkommt.

Tagtraum-Bild Waldrand
Waldrand
Das Thema "Waldrand" beinhaltete die ergänzende Vorgabe, dass irgendwer oder irgendetwas aus dem Wald herauskommen sollte. Bei mir war es ein Bär, der aufrecht ging. Zunächst fürchtete ich mich natürlich vor dem Raubtier, aber im Laufe des Tagtraums wandelte sich mein Gefühl zu Mitleid. Denn es stellte sich heraus, dass dieser Bär fast blind und somit ziemlich hilflos war. Das freie Gelände außerhalb des Waldes war ihm unbekannt. Und da er zwar nicht sehen, aber riechen konnte, dass dort draußen jemand war, war dann er derjenige von uns beiden, der Angst hatte. Beim anschließenden Zeichnen habe ich mich bemüht, die Blindheit, Hilflosigkeit, Furcht und auch Traurigkeit des Tieres wiederzugeben. Der Rest war mir ziemlich unwichtig, wie man den groben Strichen entnehmen kann.

Tagtraum-Bild Idealfrau
Frau
"Stellen Sie sich eine Frau vor." Welche Person dann langsam vor meinem inneren Auge Gestalt annahm, ist rechts im Bild zu sehen. Jung, schlank, hübsch, relativ groß - "traumhafte" Äußerlichkeiten halt (so wie wahrscheinlich die meisten Frauen sein wollen). Im Laufe des Tagtraums nahm ich dann auch innere Eigenschaften wahr: ruhig und gelassen, in sich selbst ruhend, muss sich nicht in den Vordergrund drängen, klug und organisiert, freundlich und geduldig zu jedermann. Der Name "Verena" entstand spontan nach Fertigstellung der Bleistiftzeichnung. Ich weiß bis heute nicht, warum...

Natürlich dienten diese Tagträume in meinem "Kurs" dazu, zum Deuten und Interpretieren anzuregen. Dabei sind Vermutungen und Erkenntnisse immer eine persönliche Sache. Sollte euch also zu den gezeigten Bildern spontan etwas einfallen, sagt es wahrscheinlich mehr über euch aus als über mich :-).

Aus der Neurologie und der Psychologie:

Allen inneren Bildern - ob nächtlichen Träumen oder Tagphantasien - ist gemeinsam, dass unser Gehirn die riesige "Datenbank" in unserem Kopf, genannt Gedächtnis, nutzt und passende "Cliparts" aussucht und neu arrangiert. Aber warum es wohl ausgerechnet diese wählt und ihnen augerechnet diese Rollen in unserem Traum gibt? Das ist eine sehr interessante Frage! Jedoch bleiben die Gründe uns bzw. unserem bewussten Ich verborgen und lassen sich auch mit neurologischen Untersuchungsmethoden nicht aufdecken; weder EEG noch CT können hier helfen. Hören wir aber in uns hinein, stellen wir vielleicht fest, dass der Baum in unserem Traum nicht einfach nur ein Baum ist (oder sein könnte). Träume zu deuten heißt uns selbst besser kennen zu lernen.
Hinterfragt eure Träume doch einmal! Ich bin fest überzeugt, dass gerade wiederkehrende Motive oder Themen eine tiefere Bedeutung haben. Meidet aber pauschalisierte Erklärungslisten, schließlich kann z.B. ein Hund für den Einen positiv besetzt sein, während ein Anderer furchtbare Angst vor diesen Tieren hat.
 

Mei Hirn is mei Kastl!


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