Freitag, 23. Oktober 2015

Reliefgießen - schon mal probiert?

"Lebkuchen" aus ReliefgießmasseNein, ich habe noch nicht für Weihnachten gebacken. Diese Dinger hier wären etwas hart und schwer verdaulich :-P. Sie sind nämlich aus Keramik, selbst gegossen und bemalt.
Heute möchte ich das sog. Reliefgießen vorstellen: Was man dazu braucht, wie es funktioniert, was man mit den Gießteilen machen kann und welche Erfahrungen ich beim Ausprobieren gemacht habe.


Was braucht man?

Weihnachtliche Motive aus Reliefgießmasse Gießformen: aus dünnem Plastik mit Vertiefungen (0,8 - 1,5 cm ca.), manchmal auch aus Silikon; es gibt Reliefmotive, zwischen 3 und 12 cm groß, zu verschiedensten Themen, aber auch Vollformen, Schilder, Rahmen und Kerzenhalter; Preise: ca. 3,50 - 9 €, Silikon ab 12 €
Gießmasse: feines weißes (selten terrakotta) Pulver zum Anrühren, lufttrocknend; Preis: 3,40 - 11 € für 1 kg
Sonstiger Materialbedarf: Messbecher für Pulver und Wasser, Schale und Spatel zum Anrühren, Unterlage

Meine Erfahrungen: 
    ~ Schnell aushärtend und leicht entformbar sind wahrscheinlich alle Gießmassen. Ich habe beim Kauf auf die Angabe "harte, nicht kreidende Oberfläche" geachtet.  ~  Die Keramikpulver sind oft für bestimmte Verwendungszwecke konzipiert: Für große Hängedeko z.B. gibt es besonders leichte Massen; für Gartendeko wird wetterfeste Gießkeramik angeboten. Bereits beim Kauf sollte man also den geplanten Verwendungszweck berücksichtigen.  ~  Woraus dieses Pulver genau besteht, steht nirgends dabei, nur dass es geruchlos und ungiftig ist.  ~  Manche meiner Plastikformen sind weicher als andere, aber beim Entformen habe ich keine Unterschiede festgestellt.  ~  Gießformen sind meist für mehrere Zwecke geeignet (bzw. man findet sie auch in anderen Kategorien): für Seifen, Reliefs, Fimo, Schokolade, Eis  ~  Zum Anrühren hab ich mir einen Mischbecher aus Gummi gekauft (1-2 €). Dass er so biegsam ist, ist beim Reinigen sehr praktisch.
     

      Wie funktioniert das?

      Sterne aus Reliefgießmasse1. Benötigte Mengen Pulver und Wasser nach Packungsanweisung abmessen; das Mischungsverhältnis ist üblicherweise 3:1 oder 4:1
      2. Saubere und trockene Gießform(en) auf ebenen Untergrund stellen
      3. Das Pulver ins Wasser rieseln lassen und mit dem Spatel zügig verrühren; einige Gießmassen kann man nun auch einfärben; den Becher mehrmals auf den Untergrund klopfen, damit die Luftbläschen rausgehen
      4. Die Masse in die Vertiefungen gießen und evtl. auch gegen die Form klopfen, um letzte Lufteinschlüsse an die Oberfläche zu bringen
      5. Reste der Masse nicht in den Abguss entsorgen, sondern trocknen lassen und dann aus dem Becher schaben
      6. Die Aushärtungszeit beträgt nur eine halbe Stunde
      7. Zum Entformen das Plastikteil umdrehen und dicht über eine weiche Unterlage halten; mit leichtem Druck gegen die Motive und evtl. noch etwas Biegen lösen sich die Gießlinge rückstandsfrei aus der Form
      8. Vor dem Bemalen die Keramik ganz duirchtrocknen lassen

      Meine Erfahrungen:
        ~  Die kurze Verarbeitungszeit, mit 8 - 12 min angegeben, zwingt zum zügigen Arbeiten, denn die Masse wird wirklich schnell dickflüssig und zäh.  ~  Aus den glatten Plastikformen gehen die Gießteile tatsächlich so komplett heraus, dass man sie nicht mal säubern muss.  ~  Manche Anleitungen beschreiben, dass man die Formen erst nur zur Hälfte füllen und die Masse verstreichen soll wegen der Luftbläschen. Bei vielen Motiven gleichzeitig dauert das aber und die Masse beginnt dann bereits anzuziehen. Das Klopfen gegen die Behälter geht schneller und klappt gut.  ~  Entgegen meiner Befürchtung kleckert man das Zeug gar nicht überall hin. Dafür staubt das Pulver wirklich sehr.  ~  Die gegossenen Motive haben eine glatte, porzellanähnliche, strahlend weiße Oberfläche und klingen hell (zumindest bei der Marke Stewalin). Sie fühlen sich angenehm an und sehen auch "natur" bereits sehr schön aus (das Weiß auf den abgebildeten Sternen ist die Eigenfarbe des Materials).

          Was macht man mit den Gießlingen?

          Weihnachtsmotive mit Schnörkel aus ReliefgießmasseGestaltung

          weiter bearbeiten: schleifen, bohren, fräsen,...
          bemalen: mit Wasser-, Acryl- oder Lackfarben
          Dekormittel auftragen: Glitzer- oder Bronzepulver, Sprühschnee, Speziallacke...
          bekleben: Décopatch/Serviettentechnik, Dekoperlen, Schmucksteine...

          Verwendung

          Die fertigen Reliefteile kann man lose als Dekoteile verwenden oder aufkleben, sowie daraus Notizhalter oder Kühlschrankmagnete machen; zum Aufhängen mit Lochbohrung, Halterung oder Schlaufe versehen, zum Stecken (auf Holzstab) schon beim Gießen Adapter mit einlegen oder bei geeigneten Motiven mit Draht umwickeln; eingelegte oder aufgeklebte Broschennadeln machen aus dem Motiv einen Anstecker.

          Meine Erfahrungen:
            ~  Evtl. Materialüberstände an den Teilen oder unschöne Kanten lassen sich mit einem Messer oder Spatel einfach abschaben. Gleich nach dem Entformen ist die Keramik durch Restfeuchtigkeit noch weich genug für eine einfache mechanische Bearbeitung.  ~  Die Keramik (aus Stewalin) scheint Feuchtigkeit aufzusaugen, wenn sie ganz durchgetrocknet ist. Dadurch kann der Farbauftrag mit dem normalen Malkasten fleckig werden (s. blauer Stern im Bild). Vielleicht vorher grundieren, anfeuchten oder gleich nach dem Entformen bemalen? Ich habe mir nun Malgrundmittel/Porenfüller und auch eine andere "hydrophobe" Gießmasse gekauft (die allerdings abkreidet), allerdings noch nichts damit bemalt.  ~  Einen schönen Effekt erzielt man, wenn man sehr wässrige Farbe aufträgt: Die Farbpigmente sammeln sich in den Vertiefungen des Motivs und verstärken durch die Schattierung die 3D-Wirkung.  ~  Für Keramikteile mit Metallöse muss man diese in die noch zähflüssige Masse einlegen. Dazu kann man anscheinend die Drahtbügel nehmen, die man auch als Aufhänger in Christbaumkugeln oder Deko-Eier steckt. Diese erscheinen mir jedoch für viele Motive zu groß. Ich habe mir aus normalem Wickeldraht selbst Ösen gebogen.

              Des is goa koa so a Umanandbatzerei, wäi i zerst gmoint hob

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