Donnerstag, 9. April 2015

DIY: Album, Ordner oder Mappe selber machen


Mappe gestreift zum Zubinden
Urkundenmappe
Ringbuchalbum
Ringbuchalbum



ODER


?



Fertige Alben oder Mappen sind euch zu unpersönlich? Oder zu teuer? Oder es gibt nichts Passendes? Dann bastelt doch selber sowas! Ist gar 
nicht mal so aufwändig, wie man vielleicht meinen könnte (zumindest der ungeschmückte Ordner; den Dekoaufwand bestimmt ihr dann ja selbst).

Heute gibt's eine ausführliche Anleitung in Wort und Bild sowie ein paar grundsätzliche Infos zur Buchbindearbeit:


Egal, ob ihr ein großes dickes Fotoalbum oder eine dünne Mappe machen wollt: Das Grundprinzip ist das Gleiche. Das Hauptmaterial auch, nämlich Graupappe, Klebeband, Überzugsmaterial und Papier zum Kaschieren.
Kaschierpapier wird von innen an den Buch- oder Ordnerdeckel geklebt. Damit versteckt man die Klebelaschen des Einbands. Außerdem ist es besonders wichtig, wenn man feuchten Kleber verwendet: Nur außen verwendet, würde sich die Graupappe verbiegen; zum Ausgleich muss man also auch innen etwas ankleben.
Im Folgenden zeige ich, wie eine dünne Dokumentenmappe entsteht, bei der die Vorder- und die Rückseite einzeln verkleidet sind. Was man abweichend davon oder zusätzlich für ein Ringbuchalbum und/oder einen einteiligen Einband machen muss, findet ihr im Anschluss daran.

1. Material

    Pappeteile
  • Zwei gleich große Rechtecke Graupappe (2 oder 3 mm dick) für Vorder- und Rückseite
  • Buchrückenteil aus Graupappe (für eine dünne Mappe wie hier geht auch Wellpappe)
  • Einband: Papier, Stoff, dünner Tonkarton o.ä. Wichtig ist, dass es sich leicht umbiegen lässt, ohne zu knicken, zu reißen oder Falten zu werfen. Hier: geprägtes Naturpapier
  • Gewebeband = starkes Klebeband, gibt es in verschiedenen Farben und Breiten; hier: 3,8 cm
  • doppelseitiges Klebeband
  • Falzbein o.ä., außerdem Schere, langes (Metall-)Lineal, Bleistift, Cutter- oder Bastelmesser, evtl. langes Messer

    Übersicht Maße berechnen 2. Richtig zuschneiden

      Die Mappe meiner Anleitung ist Hochformat und hat keine Bindung; ich möchte euch aber auch die anderen Möglichkeiten zeigen.
      Und ein Bild sagt bekanntlich mehr als 1000 Worte - drum hab ich diese Grafik für euch erstellt.


      3. Deckel verkleiden

      Die Graupappe einigermaßen mittig auf dem umgedrehten Einbandzuschnitt positionieren. 

      EinbandzuschnittDie Ecken schräg abschneiden, aber nicht ganz heran bis zum Deckel, sonst gucken nachher graue Pappespitzen hervor. Lasst so viele mm stehen, wie die Graupappe dick ist. Ich hab das in diesem Beispiel schon vorher gemacht, tatsächlich aber tut ihr euch leichter, wenn ihr den Deckel bereits angeklebt habt.


      Buchdeckel EinbandDeckel halb eingebundenBringt ausreichend doppelseitiges Klebeband an: An Außenkanten ganz nah, damit später nix absteht, beiderseits von Falzkanten (mit ein bisschen Abstand; ich bilde mir ein, dass das Spannung vermeidet) und in der Mitte zur Unterbrechung der großen Fläche.  
      Graupappe ist nicht völlig flach, sondern minimal gebogen. Schaut euer Stück genau an und legt es mit der gewölbten Seite nach unten hin, sonst steht euer Deckel später leicht nach außen ab! Außerdem haben Papiere und Pappen eine Laufrichtung der Fasern, das merkt man an der leichteren Biegsamkeit. Bei der Verwendung als Deckel soll die Richtung quer zum Buchrücken sein, das erhöht die Stabilität.

      4. Verbinden der Teile

      Um die drei Deckelteile zu verbinden, braucht ihr das Gewebeband. Weil es später außen sichtbar ist, muss bei diesem Schritt drauf geachtet werden, dass alles gerade und gleichmäßig wird. 
      Achtung: starke Haftkraft! Wieder abziehen und neu positionieren geht hier nicht.
       
      Deckelteile fertig zum AneinanderklebenEinen genügend langen Streifen Gewebeband (1,5 - 2 mal so lang wie die Deckelhöhe) mit der Klebeseite nach oben straff und gerade auf dem Tisch auslegen (evtl. mit Malerkrepp oder Washi-Tape fixieren) und darauf das schmale Rückenteil mittig platzieren. Dann die Deckel links und rechts davon anlegen, aber unbedingt mit Abstand! So dick wie der Deckel ist, so viel Platz müsst ihr zwischen den Teilen lassen, sonst lässt sich eure Mappe nicht schließen.

      Deckel zusammengeklebt Außenansicht
      außen
      So sollte euer Einband anschließend in etwa aussehen:
       
      Deckel zusammengeklebt Innenansicht
      innen








      Nun mit dem Falzbein innen und außen die Falze nachziehen. Dann jeden Deckel evtl. mehrmals ganz einklappen (Rücken bleibt möglichst flach liegen), dabei gerade ausrichten und mit Druck die Falzkante entlang fahren. Damit verbessert ihr die Beweglichkeit. Zur Überprüfung stellt die geschlossene Mappe immer wieder mal auf. Optimal ist es, wenn die Mappe zu bleibt und beide Deckel bündig abschließen. Öffnet sich ein Deckel auch trotz Nacharbeitens immer noch von selbst, dann hattet ihr den Abstand zwischen Seiten- und Rückenteil zu schmal bemessen. 

      5. Innenseite kaschieren

      kaschierter Albumdeckel blau
      kaschierte Innenseite
      Kaschierpapier für Deckel innen
      wichtige Stellen für Klebeband
      Wie ihr seht, ist das Format des Kaschierpapiers etwas kleiner als der komplette Mappen- deckel. Wie viel ihr vom Einband sichtbar lasst, ist eure Entscheidung. In dem Beispiel links ist das Blatt kleiner geraten als geplant; man sollte eigentlich nicht so viel von den Klebelaschen sehen.

      kaschierter Albumdeckel weiß
      weiß kaschiert, mit Einsteckecken

      Welches Papier ihr dafür wählt, bleibt euch überlassen. Von sehr dünnem Papier (wie das blaue oben) kann ich eher abraten. Das war so empfindlich, dass jede Krümmung Knicke hinterlassen hat. Das weiße Papier rechts war ganz normales DIN A 3 Kopierpapier und ließ sich gut verarbeiten. 


      Rückseite


      Nach dem Aufkleben müsst ihr nur noch die beiden Falze nacharbeiten (vorsichtiger als ich, mir ist das Papier an einer Stelle eingerissen :-/ ), dann ist eure Urkundenmappe fertig und möchte dekoriert werden!

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      6. Variationen...

      a) ...damit der Inhalt drin bleibt

      Ihr habt mehrere Möglichkeiten, den Inhalt an Ort und Stelle zu halten, z.B.:
        Einstecklaschen einkleben ~~~~~ Heftstreifen einkleben ~~~~~ Buchschrauben anbringen ~~~~~ Inhalt als gehefteten Buchblock einkleben ~~~~~ Ringbuchmechanik annieten
          Neben dem unterschiedlichen Aufwand sind der Verwendungszweck eures Ordners/Albums und die Menge des Inhalts entscheidend. Soll der Inhalt austauschbar sein? Soll die Mechanik für verschiedene Dicken geeignet sein, egal ob man Blätter rausnimmt oder hinzufügt?
          Buchschrauben bestehen aus der Schraube selbst und einem hohlen Zylinder mit Gewinde am oberen Ende und mit einem scheibenförmigen Fuß am unteren. Die Röhre wird von unten in gelochtes Material gesteckt und von oben verschraubt. Der Zylinder ist in der Länge nicht veränderbar, allerdings sind Buchschrauben in verschiedenen Größen erhältlich.
          (Ich selbst habe Buchschrauben bisher nicht ausprobiert. Das System ist mir unsympathisch: Zum Einen brauche ich für unterschiedlich dicke Papierstapel auch unterschiedliche Schrauben und zum Anderen kann ich mir nicht vorstellen, dass man den Inhalt ordentlich aufschlagen/umblättern kann.)

          Für alle Mechaniken gilt:
          Album mit Ringbuchmechanik und Einstecktasche
          hinterer Deckel mit Ringmechanik und Einstecktasche
          • Beim Bemessen der Graupappe genügend Platz mit einrechnen (s. Grafik oben)
          • Den Rücken breiter schneiden als die Mechanik hoch ist
          • Beim Befestigen auf dem hinteren Deckel auf ausreichend Abstand zur Falz achten
          (Bei dem Album in diesem Bild habe ich die Ringbuchmechanik ziemlich knapp an dem Rückenteil links davon befestigt. Mehr Abstand ist empfehlenswert.)

          b) ...für eine gleichmäßige Außenansicht


          einteiliger Einband
          einteiliger Einband aus Wachstuch
          Es ist genauso möglich, erst die Pappen zu verbinden und dann die gesamte Albumdecke zu verkleiden.
          • Vorteil: Man braucht kein teures Gewebeband, es reicht auch Malerkrepp o.ä.
          • Vorteil: einheitlicher Umschlag, Klebeband unsichtbar
          • Nachteil: Man braucht Einbandmaterial und Papier in entsprechender Größe
          (Das Album links war für 12'' Papiere gemacht, d.h. der Überzug musste über 80 cm breit sein!)


          Übersicht Maße für Kompletteinband
          Hier ist zum Schluss noch mal eine Grafik für euch. Die Balken unten und rechts veranschaulichen, wie sich die benötigten Maße des Einbands zusammensetzen. Ebenso sind bereits die Klebelaschen zurecht geschnitten. Vergesst aber nicht, dass die Pappen bereits verbunden sein müssen, wenn ihr den Deckel auflegt und vom Einband Keile rausschneidet.

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          Ui, des is etz oba lang woan!

          4 Kommentare :

          1. Diesen Beitrag find ich einfach nur genial. Man kann seine Kreativität ganz toll bei der Umsetztung ausleben. Vieles Probieren und es ist auch noch Nützlich.. sowas liebe ich ja. Danke dafür.

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          2. du hast immer wieder so tolle Ideen, leider kann ich mit deinem Tempo überhaupt nicht mehr mithalten. In der Zeit, wo ich ein Teil von Dir mache, hast du ja schon wieder 3 neue Idee. Du bist einfach unglaublich, schön dass es dich gibt

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          3. Das sind ja Ideen aus mittlerweile 2 Jahren, Helga :) Und einige probier ich gar nicht selber aus, sondern gebe sie nur weiter.

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          Dankeschön für deine Nachricht :-)
          Ich freu mich auch über E-Mails (papierpotpourri@outlook.de) und über Nachrichten auf der facebook-Seite https://www.facebook.com/papierpotpourri